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Die erstaunliche Reise des Nikolaus nach Berlin    
Ein ungewöhnlicher Reisebericht  (nicht nur) für Kinder
             

Gabriela Braden-Becker
Illustrationen: Lothar Tanzyna


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»Und in so mancher dunklen Nacht, hab’ ich an Nikolaus gedacht« sagten die Kaufleute zueinander in einer fernen Zeit. Nikolaus? Der Nikolaus? Was aber haben Kaufleute, Berlin und der Nikolaus miteinander zu tun? Vieles aus der Zeit des Mittelalters liegt noch immer im Dunkeln. Doch einige Fragen können beantwortet werden. In diesem Buch findet sich ein Reisebericht, wie er so noch nie aufgeschrieben wurde.

Es ist die erstaunliche Geschichte einer weiten Reise, die vor sehr langer Zeit in Kleinasien begann.

In diesem Sachbuch für Kinder sind bekannte und weniger bekannte Nikolauslegenden und die Geschichte Berlins auf einzigartige Weise miteinander verknüpft. Ein Buch, das nicht nur die Vorweihnachtszeit verzaubert. Ein dekoratives Geschenk nicht nur, aber auch für christliche Feste, zum Beispiel zur Erstkommunion
und eine gute Ergänzung für den Religions-, Lebenskunde- und Geschichtsunterricht.

          
    Ein Sachbuch für Kinder von 7-99
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    Edition Stadtmuseum Berlin I  Die kleine Reihe 

    Alle Rechte vorbehalten.
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    80 Seiten, zahlreiche Illustrationen und Abbildungen

      Hardcover, Fadenheftung

      16,50 Euro     [ISBN 978-3-939254-16-4]
   

      
Verlag M         

 __________________________________________________________________________________________________     RBB-Interview vom  04.12.2015:

   

Interview | Sachbuch für Kinder entschlüsselt Legenden - Wie der Nikolaus nach Berlin kam

Nikolaus als Retter der Jungfrauen oder als Retter der Seeleute - das sind nur zwei der Legenden, die sich um den großherzigen Geschenkebringer ranken. Gabriela Braden-Becker hat sie in einem neuen Sachbuch für Kinder zusammengetragen. Im rbb-Interview erklärt sie, wie der Nikolaus nach Berlin kam und wo in Brandenburg seine Spuren zu finden sind.

Frau Braden-Becker, in Ihrem Sachbuch für Kinder haben Sie zahlreiche Nikolaus-Legenden zusammengetragen. Welche zum Beispiel?

Eine der bekanntesten Legenden ist die der Rettung der Jungfrauen vor der Prostitution. Das sagt man den Kindern natürlich nicht so genau und ist im Buch auch nicht beschrieben. Aber die Legende handelt von drei Mädchen, die zu arm waren, um heiraten zu können. Damals brauchte man ja eine Mitgift, die der Vater der drei Jungfrauen sich nicht leisten konnte. Sein Nachbar Nikolaus bekam das mit und wollte helfen, aber auf ganz besondere Art: Er wirft den Mädchen das benötigte Geld nachts ins Schlafzimmer. Der Vater wird spätestens nach dem zweiten Geldsäckchen neugierig und möchte wissen, wer denn der Wohltäter ist. Er lauert Nikolaus auf und erwischt ihn bei seiner guten Tat. Nikolaus bittet ihn, Stillschweigen zu bewahren. Irgendwann muss der Nachbar dann doch geplaudert haben, denn sonst hätten wir ja nie von dieser Geschichte erfahren. Das ist eine Legende, in der man sieht, dass Nikolaus eigentlich ganz menschlich ist.

Aber es gibt auch Legenden über wundertätige Dinge, wie die der Rettung der Seefahrer. Hier erscheint er plötzlich mitten auf dem Schiff und ergreift das Ruder. Die Mannschaft ist schon völlig erschöpft, er aber stemmt sich dem brausenden Wind entgegen und schafft es, das Boot zu retten. Als die Seeleute in die Kirche kommen, um Gott zu danken, sehen sie plötzlich eben diesen Mann wieder - als den Bischof von Myra. Da wird ihnen klar, dass das nicht mehr mit irdischen Dingen zugehen kann. Das ist dann die zweite Seite von Nikolaus. Er ist also nicht nur ein Mensch, der Gutes tut, sondern er ist ein Mensch, der besondere Fähigkeiten hat.

Der Titel ihres Buches lautet "Die erstaunliche Reise des Nikolaus nach Berlin". Das müssen Sie erklären...

Auch für mich war das völlig neu und hat mich dazu bewegt, das Buch zu schreiben. Im Depot des Berliner Stadtmuseums wurde nämlich 2011 ein sensationeller Fund gemacht: Ein kleines Stoffbündelchen mit der Aufschrift "Nikolaus". Anhand einer Inventarliste konnte man es sehr schnell zuordnen und feststellen, dass es aus dem Kopf einer Christusfigur stammt, die am so genannten Triumph-Kreuz in der Nikolaikirche hängt.

Man konnte im Mittelalter ja gar keine neuen Kirchen ohne eine Reliquie bauen, also ohne ein Überbleibsel eines Heiligen. Die Reliquie musste nicht immer gleich ein Knochen oder gar ein Körperteil eines Heiligen sein, es konnte auch ein Stück von einem Kleidungsstück sein. Dadurch hatte der Reliquien-Handel natürlich sprunghaft zugenommen, so dass man das später fallen gelassen hat. Und es gibt so viele Nikolaus-Kirchen, allein in Brandenburg sind es mehr als 30, da kann man nicht davon ausgehen, dass das wirklich alles Teile von Nikolaus sind.

Diese Nikolaikirchen in Berlin und Brandenburg haben alle irgendeine kleine Reliquie?

Die werden sie heute nicht mehr haben, aber sie müssten sie ursprünglich einmal gehabt haben. Meistens hatte eine Kirche ja noch mehrere Schutzheilige, aber Nikolaus ist als Schutzpatron der Kaufleute besonders wichtig. Wenn es in einem Ort eine Nikolauskirche gibt, dann muss es ein Ort mit regelmäßigem Marktverkehr gewesen sein. Denn die Kaufleute waren diejenigen, die als erste die Mark Brandenburg in Besitz nahmen. Die Nikolauskirchen sind immer die ältesten Kirchen an einem Ort, die Marienkirchen sind dann die zweitältesten.

Was ist denn eigentlich vom Nikolaus in Berlin und Brandenburg zu sehen - außer den Nikolaikirchen, die seinen Namen tragen?

In Bernau gibt es zum Beispiel einen wunderschönen Nikolaus-Altar mit einer mittelalterlichen Darstellung von der Legende der Jungfrauen-Rettung - übrigens in der Kirche, die heute Marienkirche heißt. Die drei Jungfrauen liegen gemeinsam in einem Bett,  wie das eben im Mittelalter so üblich war, da hatte nicht jeder ein eigenes Bett. Und anstelle eines Schrankes hängt mitten im Raum einfach eine Stange von der Decke herab. Es gibt also auch ganz viele Alltagsdinge auf diesen Bildern zu entdecken. Sehr schön ist auch, wie der Vater hinter der Tür lauert und auf den Nikolaus wartet. Nikolaus steht da gerade am Fenster und wirft ein Säckchen mit Goldmünzen ins Schlafzimmer.

In Spandau wiederum gibt es in der Nikolaikirche eine moderne Nikolausdarstellung, weil die alte verloren gegangen ist. Sie war bei den Gemeindemitgliedern anfangs sehr umstritten - Nikolaus ist nämlich nackt.

Warum das?

Es gibt sicher verschiedene Gründe, warum der Künstler ihn so dargestellt hat. Laut Seefahrer-Legende war er ja auf dem Meer und hat mit der brausenden See gekämpft. Dass da keiner mehr trocken bleibt, kann man sich ja vorstellen.

Der Leichnam selbst von Nikolaus ist übrigens von Kaufleuten aus Italien gestohlen worden, die haben ihn aus Myra entführt und nach Bari gebracht. In Bari gibt es heute eine Wallfahrtskirche, in der der Leichnam des Nikolaus liegt. Man hat einmal versucht zu untersuchen, ob es sich wirklich um Nikolaus handelt. Der Wissenschaftler, der sich angeboten hat, hat aber keine Erlaubnis bekommen. Das ist ein schwieriges Feld, wo man vielleicht auch nicht versuchen sollte, diese Legenden von ihrem Wunderhaften zu entledigen.

In der Nacht zum 6. Dezember verteilt Nikolaus seine Süßigkeiten. Zu Weihnachten aber gibt es ja den Weihnachtsmann, der die Geschenke verteilt. Die beiden sehen sich ja ziemlich ähnlich. Sind die verwandt oder wie hängen die beiden eigentlich zusammen?

Dass sie verwandt sind, ist völlig klar. Aber Nikolaus ist der Ursprüngliche; er ist sozusagen derjenige, der die Idee hatte, Kindern etwas zu schenken. Nun gab es Martin Luther, wie wir wissen, der die Heiligenverehrung abschaffen wollte und auf das Weihnachtsfest insistierte. Er sagte: Wir wollen uns lieber mit der Geburt Jesus beschäftigen, das ist das eigentliche Wunder, das wir feiern sollten und nicht irgendwelche wundertätigen Geschichten, die Nikolaus irgendwann vollbracht haben soll -  und Luther erfindet das Christkind. Nikolaus aber war so zäh und hat sich so gehalten, dass es jetzt plötzlich den Nikolaus und das Christkind gab.

Niederländische Auswanderer haben ihren Sinterklaas dann mit nach Amerika genommen. Dort hat ihn schließlich eine Werbefirma für sich entdeckt und hat ihn dann letztlich für Coca Cola als Werbeträger genutzt. So kam der Nikolaus als Weihnachtsmann verkleidet dann wieder zu uns nach Europa zurück.

Das Interview führte Ursula Voßhenrich, rbb-Redaktion Kirche und Religion

    Stand vom 04.12.2015
                                                                    
                       

___________________________________________________________________________________________________Ein Heiliger mit Migrationshintergrund

Gabriela Braden-Becker ist den Spuren des Nikolaus durch Europa gefolgt

Von Norbert von Fransecky.

Er ist allgegenwärtig in Brandenburg – in Kremmen und Cottbus, Paaren und Prenzlau, Forst und Fürstenberg. Er dominiert die Altstadt von Spandau und steht neben dem neu erbauten Potsdamer Schloss. Der Keimzelle Berlins hat er gar den Namen gegeben – Nikolai-Viertel. Dabei ist der Nikolaus gar kein Einheimischer. Aus dem Südwesten der heutigen Türkei kommend hat er praktisch den gleichen Hintergrund wie ein großer Teil der Arbeitsmigranten, die seit den 60er Jahren nach Deutschland gekommen sind.
Die Kulturwissenschaftlerin Gabriela Braden-Becker hat sich auf die Suche nach den Spuren des Nikolaus gemacht. Dabei hat sie sich nicht auf die historischen Grundlagen der Nikolauslegenden beschränkt. Sie hat sich gefragt, wie es kommt, dass gerade dieser Heilige so häufig in Brandenburg verehrt wurde, dass so viele Kirchen seinen Namen tragen.
Herausgekommen ist das Buch „Die erstaunliche Reise des Nikolaus nach Berlin – Ein ungewöhnlicher Reisebericht (nicht nur) für Kinder“. Es schlägt einen Bogen, der beim Bischof Nikolaus von Myra im dritten Jahrhundert beginnt und bis ins Jahr 2011 reicht, das Jahr, in dem im Magazin des Berliner Stadtmuseums fast zufällig eine Nikolaus-Reliquie wiederentdeckt wurde.
Stationen auf dem langen Weg sind 972 die Hochzeit von Theophanu, einer Prinzessin aus Konstaninopel, mit Otto II, der als Mitkaiser mit seinem Vater das Heilige Römische Reich deutscher Nationen regierte, die Eroberung Brandenburgs durch Albrecht den Bären 1157 und die darauf folgende Entwicklung des eroberten Landes.
Theophanu brachte neben allerlei Kostbarkeiten auch Reliquien des Heiligen Nikolaus nach Europa, die sie für die Stiftung neuer Kirchen verwendete. Durch sie wurde Nikolaus zum Schutzheiligen der Ottonen. So erreichte die Nikolaus-Verehrung auch die Heimat Otto des Großen, der aus Wallhausen bei Sangershausen im heutigen Sachsen-Anhalt stammt. Brandenburg lag noch außerhalb des Reiches. Erst Albrecht der Bär brachte die Mark in seinen Besitz. Sein Enkel, Markgraf Albrecht II, ließ das eroberte Land neu besiedeln. Die nun ins Land kommenden Händler und Kaufleute hatten nicht nur Waren im Gepäck, sondern auch die Geschichten von ihrem Schutzheiligen Nikolaus, der häufig auch zum Schutzheiligen neu erbauter Kirchen wurde.
Ein reines Geschichtenbuch ist „Die erstaunliche Reise des Nikolaus nach Berlin“ nicht. Das Kinderbuch, das auch für Erwachsene lesbar ist, erklärt viele Dinge verständlich im Detail (etwa: Was ist eine Reliquie?), beschreibt die Attribute, mit denen der Nikolaus in der Tradition dargestellt wurde, und erwähnt Besonderheiten der Nikolausverehrung. So trägt der Spekulatius (lateinisch Spekulator = Bischof) seinen Namen wohl deshalb, weil auf ihm Motive der Nikolauslegenden dargestellt wurde. Das Foto eines Modells, mit dem ein Spekulatius vor dem Backen geformt werden kann, gehört ebenso zu den Illustrationen des Buches, wie Brandenburger Nikolaus-Darstellungen unter anderem aus Bad-Wilsnack, Bernau und Spandau.

Dieser Artikel erschien in der evangelischen Wochenzeitung "Die Kirche".